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Einleitung

Warum viele Worte machen?

Die Essaysammlung "1000 Worte für die Geisteswissenschaften" antwortet auf eine nie ausgesprochene Frage, eine Frage, die sich angesichts der derzeitigen Bildungsplanung jedoch aufdrängt: braucht man die Geisteswissenschaften überhaupt? Beobachtet man Stellenkürzungen und Stellenumverteilungen, so bemerkt man: die Geisteswissenschaften befinden sich auf dem absteigenden Ast. Hingegen wird gefördert, was finanzielle Rentabilität verspricht, so Informatik, Ingenieurwissenschaften oder die sogenannten Lebenswissenschaften.

Angesichts dieser Situation entwickelte sich aus vielen Diskussionen und Gesprächen mit anderen Studenten das 1000-Worte-Projekt, zu dem eine unabhängigen Gruppe von vier Tübinger Studenten die Initiative ergriff. 

Als Beitrag zur laufenden Bildungsdiskussion war das Unterfangen von Anfang an ein Projekt auf Zeit. Ein selbstgesteckter Zeitrahmen von zehn Wochen erschwerte die Autorensuche und brachte in der letzten Phase spontane Absagen mit sich. Doch ist Essaysammlung ohnehin nicht als lückenlose Beweisführung konzipiert, sondern als Diskussionsbeitrag. Sie wird an etwa 500 Adressen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Bildung verschickt und ist seit dem 15.8.2002 unter der Adresse www.1000worte.com für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das Projekt dient nicht der Eigenkontemplation, sondern der Aufklärung. Die Essaysammlung ist keine Kampfschrift gegen die Lebenswissenschaften, sondern eine Präsentation der eigenen Position. Und sie ist sicher keine Renovierung des Elfenbeinturms, sondern zeigt, warum es nicht nur im Interesse einiger Wissenschaftler und Studenten liegt, sondern eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber ist, die Geisteswissenschaften in einer Weise zu erhalten, die es ihnen ermöglicht, qualitätsvolle Arbeit zu leisten: Die Arbeit der Geisteswissenschaften fließt mittelbar, aber nicht weniger bedeutsam ins Leben der Gesellschaft ein:

Man muss sich klarmachen, dass die Geisteswissenschaften unser Alltagsleben wesentlich formen und bestimmen. Es ist daher unverantwortlich, durch Einsparungen ihre Qualität zu gefährden. 

Es ist einem modernen Menschen und es ist einer modernen Politik unwürdig, ein Denken an den Tag zu legen, das in seiner Kurzsichtigkeit diese Zusammenhänge verkennt oder unterschlägt. Dem Zeitalter der Globalisierung und des globalen Denkens ist das nicht angemessen. Es ist an der Zeit zu sehen, dass die Gesellschaft nicht als one-man-show der ökonomischen Stars funktioniert, sondern ohne die Arbeit hinter den Kulissen kollabiert. Wer das nicht erkennt, gehört nicht etwa ins Reich der Historiker, sondern ins Reich der Dinosaurier.

Enite Murswiek für das Team.

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